Thomas Baumgärtler
Neuere Ansätze zur Erklärung der Mitgliederpartizipation in Kreditgenossenschaften – Eine empirische Analyse der Beteiligungsfaktoren.
Band 38 der Reihe "Veröffentlichungen des Forschungsinstituts für Genossenschaftswesen an der Universität Erlangen-Nürnberg", ISBN 3-924677-20-4, 284 und XLVII Seiten, Nürnberg 2000, € 30,-.
Mitgliederpartizipation ist Ausdruck genossenschaftlicher Selbstverwaltung und Demokratie. Dazu bekennen sich auch die genossenschaftlichen Banken. Die von Genossenschaftstheorie und –praxis vielfach konstatierte Mitgliederpassivität belegt jedoch, dass die Mitglieder von ihren Partizipationsmöglichkeiten nur unzureichend Gebrauch machen. Anspruch und Wirklichkeit der Partizipation fallen offensichtlich auseinander. Mit dem Konstrukt der Mitgliederpartizipation ergeben sich gerade für Kreditgenossenschaften weitreichende Bindungspotenziale, wie sie ihren Mitbewerbern nicht zur Verfügung stehen. Mitgliederpartizipation ist mithin ein genossenschaftsspezifischer Wettbewerbsfaktor, der als solcher kaum wahrgenommen und genutzt wird. Gleichwohl zwingt der intensive Bankenwettbewerb auch Kreditgenossenschaften dazu, sich künftig noch stärker von der Konkurrenz positiv abzuheben. Mit der Mitgliederpartizipation ist den genossenschaftlichen Primärbanken ein solcher Differenzierungsvorteil gegeben. Um ihn zu nutzen, müssen jedoch die wesentlichen Ursachen und Hintergründe passiven Mitgliederverhaltens bekannt sein.
Dieser grundlegenden Aufgabe widmet sich die am Nürnberger Forschungsinstitut für Genossenschaftswesen verfasste Dissertation. Sie zielt primär darauf ab, die effektive Mitgliederpartizipation in Kreditgenossenschaften mit General- bzw. auch Vertreterversammlung zu erklären. Zu diesem Zweck zieht der Autor sowohl theoretische Erkenntnisse als auch eine empirische Untersuchung heran, wobei letztere den Schwerpunkt der Arbeit bildet. Dort werden für mehrere Kreditgenossenschaften mittels ökonometrischer Analyseverfahren Aussagen über die Veränderung der Mitgliederpartizipation im Zeitablauf (1970-1996) getroffen und die Ursachen der Teilnahme bzw. Nichtteilnahme an der genossenschaftlichen Willensbildung eingehend analysiert. Dem Autor ist es dabei gelungen, sowohl strukturelle als auch ökonomische Beteiligungsfaktoren der Mitgliederpartizipation zu identifizieren.
Die Arbeit liefert neue Impulse zur Lösung partizipatorischer Fragestellungen, die für Genossenschaftswissenschaft und –praxis gleichermaßen von Bedeutung sind. Auf Grundlage der erzielten Ergebnisse können nunmehr praxisbezogene Handlungsempfehlungen zur Bewältigung auftretender Partizipationsdefizite abgeleitet werden. Das Buch sei aber auch jenen empfohlen, die sich mit generellen Fragestellungen zur Mitgliedschaft, Willensbildung und Partizipation in Genossenschaften beschäftigen. Das der Veröffentlichung zugrunde liegende Forschungsprojekt wurde vom Wissenschaftsfonds der DG BANK gefördert.
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