Markus R. Algner
Die Beteiligungsfinanzierung eingetragener Genossenschaften
Gestaltungsmöglichkeiten und Wege zu deren Stärkung
Band 47 der Reihe „Veröffentlichungen“ des Forschungsinstituts für Genossenschaftswesen an der Universität Erlangen-Nürnberg, ISBN 3-924677-29-8, 215 und LIV Seiten, Nürnberg 2006, € 39,90.
DAS PROBLEM
Die Eigenkapitalbildung ist eines der zentralen betriebswirtschaftlichen Problemfelder der Genossenschaft. Deren Förderorientierung, die im Gegensatz zum verbreiteten Shareholder-Value-Streben vieler Kapitalgesellschaften steht, wird hierbei oftmals als wesentlicher Grund für die Eigenkapitalschwäche angesehen. Vertreter aus Wissenschaft und Praxis beklagen seit Jahrzehnten mangelnde Möglichkeiten zur Finanzierung durch Eigenkapital und fordern u. a. eine Novellierung des Genossenschaftsgesetzes, um die eingetragene Genossenschaft im Wettbewerb der Rechtsformen zu stärken. Nur so könne man zu beobachtende Umwandlungen in andere Rechtsformen verhindern und den Fortbestand der Genossenschaften sichern.
DER FORSCHUNGSANSATZ
Genossenschaften stehen zur Deckung des gegebenen Kapitalbedarfs eine Vielzahl von Finanzierungsalternativen offen. In der vorliegenden Untersuchung wird zunächst analysiert, welche Determinanten die Entscheidung zur Wahl einzelner Finanzierungsinstrumente bei Genossenschaften beeinflussen. Konkret wird herausgearbeitet, dass – bedingt durch einen restriktiven Fremdkapitalmarkt infolge von Basel II und der eingeschränkten Möglichkeiten zur Rücklagenbildung aufgrund des zunehmenden Ertragsdrucks – künftig eine verstärkte Nachfrage der Genossenschaften nach Beteiligungskapital zu erwarten ist.
Zunächst erfolgt eine Analyse der rechtlichen Gestaltungsmöglichkeiten des Geschäftsanteils, der das Kernstück der Beteiligungsfinanzierung von Genossenschaften bildet. Hierbei wird besonderes Augenmerk darauf gerichtet, inwieweit das Gesetz in seiner heutigen Form einen sinnvollen Interessenausgleich zwischen der Genossenschaft als Kapitalnehmer und Mitgliedern in ihrer Funktion als Kapitalgeber ermöglichen kann. Schließlich werden Wege aufgezeigt und untersucht, wie die Beteiligungskapitalbasis von Genossenschaften künftig verbreitert werden kann. So kann dies prinzipiell durch eine verstärkte finanzielle Beteiligung der durch die Genossenschaft geförderten Mitglieder, durch die Aufnahme nicht-nutzender Mitglieder oder auch durch eine zunehmende Öffnung der Genossenschaft zum Kapitalmarkt erfolgen.
DIE ERGEBNISSE
Als Ergebnis steht zunächst die Erkenntnis, dass die genossenschaftliche Praxis bestehende Möglichkeiten der Eigenkapitalbeschaffung ungenutzt lässt. So ist der Geschäftsanteil in seiner Gestaltung durchaus flexibler als sein Ruf, aber auch Mezzanine Finanzierungsformen werden meist nur durch Genossenschaftsbanken genutzt. In der Arbeit werden darüber hinaus zahlreiche Ansätze zur Reform des Genossenschaftsgesetzes diskutiert, die eine nachhaltige Verbesserung der Finanzierungsmöglichkeiten der Rechtsform versprechen und somit zur Stärkung der Genossenschaften im Wettbewerb beitragen können.
Die wesentliche Erkenntnis der Arbeit ist, dass unternehmerische Kreativität bei entsprechend adäquaten gesetzlichen Rahmenbedingungen den Fortbestand der Genossenschaften im Wettbewerb auch in Zukunft sichern kann und die Finanzierungsfrage nicht zwangsläufig einen Engpass der Rechtsform darstellen muss.
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